Kinderschutz – Verhaltenskodex

Dieser Verhaltenskodex gilt für die katholischen Einrichtungen im Lauf-Sasbachtal und ist Teil des institutionellen Kinderschutzkonzeptes. Er beschreibt, welches Verhalten pädagogischer Fachkräfte erlaubt, situationsabhängig (kritisch zu prüfen) oder verboten ist.

Erlaubt: Positives, wertschätzendes Verhalten (förderlich für die Entwicklung).

Situationsabhängig: Kann für das Kind nicht förderlich sein, muss kritisch hinterfragt werden.
Es sollen Alternativen gesucht und umgesetzt werden.

Verboten: Grob fahrlässiges, grenzüberschreitendes Verhalten (nicht zulässig).


Grundhaltungen im Alltag

  • Respektvoller und wertschätzender Umgang
  • Bewusstsein für Vorbildfunktion und Rolle als pädagogische Fachkraft
  • Zuverlässigkeit, Empathie und ein offenes Ohr für Kinder
  • Regeln transparent machen und Kinder altersangemessen beteiligen
  • Selbstreflexion als fester Bestandteil der Arbeit
  • Bedürfnisse und Interessen der Kinder wahrnehmen und Selbstständigkeit fördern

Quelle: Verhaltenskodex für die katholischen Einrichtungen im Lauf-Sasbachtal, Stand Februar 2024.

Schutz von Grenzen, Nähe und Körperkontakt

Erlaubt

  • Körperkontakt/Nähe geht grundsätzlich vom Kind aus (z. B. Trost, Hand geben, auf den Arm/Schoß, wenn das Kind es möchte).
  • Kinder stärken, dass sie „Nein“ sagen dürfen.
  • Bei pflegerischen Tätigkeiten vorher fragen (z. B. ob beim Abwischen/Wickeln geholfen werden darf).

Situationsabhängig

  • In Gefahrensituationen Kind kurzzeitig am Arm festhalten (z. B. wenn es auf die Straße rennt).
  • Doktorspiele unter Kindern: altersabhängig begleiten und beobachten.

Verboten

  • Körperliche Gewalt oder grenzüberschreitender Körperkontakt.
  • Berührungen im Intimbereich außerhalb notwendiger pflegerischer Handlungen.
  • Küsse durch pädagogische Fachkräfte oder Einfordern von Streicheleinheiten.
  • Bewusstes emotionales Binden eines Kindes an eine Fachkraft.

Essen und Trinken

Erlaubt

  • Kinder entscheiden, ob sie essen und trinken möchten.
  • Kinder wählen (bei Angeboten der Einrichtung) selbst aus, was sie essen.
  • Selbstständigkeit fördern; bei Bedarf unterstützend fragen (z. B. „Darf ich dir den Mund abwischen?“).
  • Tischgebet nur auf freiwilliger Basis; Religionsfreiheit respektieren.

Situationsabhängig

  • Füttern nur altersbedingt und niemals gegen den Willen des Kindes.
  • Bei zu wenig Trinken spielerisch Kompromisse finden und Ursachen klären.

Verboten

  • Zwang beim Essen/Trinken (z. B. „aufessen müssen“, „probieren müssen“).
  • Erpressung/Belohnungsdruck über Essen (z. B. Nachtisch als Druckmittel).
  • Ignorieren nonverbaler Signale bei U3 (Kopf schütteln, wegdrehen).

Ruhen und Schlafen

Erlaubt

  • Jedes Kind erhält das Angebot zum Ruhen/Schlafen: freiwillig und bedürfnisorientiert.
  • Individuelle Begleitung (z. B. Schlaflied) und Respekt der Bedürfnisse.
  • Eigener Schlafplatz für jedes Kind.

Situationsabhängig

  • Ruhe einfordern, wenn einzelne Kinder andere stark stören.
  • Aufwecken aus organisatorischen Gründen (Abhol-/Öffnungszeiten) kann vorkommen.

Verboten

  • Zwingen zum Schlafen/Ruhen oder zum Liegenbleiben.
  • Unaufgeforderter Körperkontakt (z. B. Schmusen/Kuscheln).
  • Keine Schlafwache / Verbot gewohnter Einschlafhilfen.

Konflikte

Erlaubt

  • Gefühlen Raum geben und beiden Seiten zuhören.
  • Präsenz zeigen, unterstützen und deeskalieren.
  • Mit Kindern altersentsprechend Lösungen entwickeln; „Nein“ akzeptieren.

Situationsabhängig

  • In Gefahrensituationen klare Grenzen setzen und Alternativen anbieten.
  • Entschuldigung ist wünschenswert, darf aber nicht erzwungen werden.

Verboten

  • Bestrafungen, Machtausübung, Demütigungen oder Schuldzuweisungen.
  • Konflikte ignorieren oder Ausgrenzung zulassen.
  • Kinder zum Entschuldigen zwingen.

Sauberkeitserziehung, Wickeln und Toilettengang

Erlaubt

  • Intimsphäre schützen; Handeln sprachlich begleiten und einfühlsam sein.
  • Kind entscheidet, von wem es gewickelt wird (sofern organisatorisch möglich).
  • Start der Sauberkeitserziehung orientiert sich an Signalen des Kindes.
  • Kind entscheidet (wenn möglich), ob Toilettentür offen/geschlossen bleibt.
  • Körperteile korrekt benennen (z. B. Scheide, Penis, Po, Brust/Brüste).

Situationsabhängig

  • Wickeln mehrerer Kinder gleichzeitig bzw. Wickeln gegen den Willen des Kindes kann in Ausnahmesituationen diskutiert werden und ist besonders kritisch zu reflektieren.

Verboten

  • Zwang/Druck beim Toilettengang oder Wickeln.
  • Bloßstellen vor anderen Kindern oder Ekel zeigen.
  • Windel „abtasten“ ohne vorherige Ansprache.
  • Toilettentraining nur auf Elternwunsch beginnen, obwohl Kind nicht bereit ist.

Sprache und Wortwahl

Erlaubt

  • Wertschätzend, positiv, auf Augenhöhe und mit Blickkontakt sprechen.
  • Ich-Botschaften nutzen, zuhören, angemessener Ton; Vorbildrolle bewusst leben.
  • In ganzen Sätzen sprechen; aktives Zuhören.

Situationsabhängig

  • Ironie und lautes Sprechen mit Nachdruck sind kritisch zu hinterfragen.

Verboten

  • Schreien/Brüllen, Einschüchtern, Drohen, Erpressen, Ausgrenzen.
  • Diskriminierende Äußerungen/Handlungen, Machtmissbrauch.
  • Kosenamen, Kussmund-Gesten oder herablassende Sprache.

Nähe und Distanz zu Familien

Erlaubt

  • Professionelle Distanz wahren; Eltern grundsätzlich mit „Sie“ ansprechen.
  • Kind bekommt Nähe, wenn es sie braucht und sucht (im angemessenen Rahmen).
  • Eigene Grenzen klar kommunizieren („Nein“ sagen, wenn Grenzen überschritten werden).
  • Allen Kindern gleichwertige Aufmerksamkeit schenken.

Situationsabhängig

  • „Du“-Ansprache kann je nach Beziehungskontext vorkommen und muss reflektiert werden.

Verboten

  • Kinder küssen oder sich küssen lassen; eigene Bedürfnisse an Kindern befriedigen (Schmusen/Kuscheln für sich selbst).
  • Kommunikation über Kinder/Familien über soziale Medien.
  • Private Babysitter-Absprachen mit Kindern aus der Einrichtung.